Was ist eigentlich ein Intranet?

Das Intranet ist nichts anderes als ein kleines Internet, das aber genauso viel können kann.

Die Artikel des Intranet-Specials beleuchten bereits einige Aspekte zum Thema Intranet. So geht es beispielsweise um Intranet-Trends, um den Weg vom Intranet 1.0 zum modernen Intranet und um die Ziele für das Intranet. Doch bislang ignorierte die Artikelreihe vollkommen die Frage, was denn eigentlich ein Intranet ist.

Warum auch danach fragen, wenn für viele vollkommen klar zu sein scheint:

Das Intranet sind die Seiten, die ich im Browser öffne und nur innerhalb des Unternehmens aufrufen kann.

Doch das ist noch nicht einmal eine Hälfte der Wahrheit.

Das Intranet

Laut englischer Wikipedia ist ein Intranet ein privates Netzwerk, das nur für die Mitglieder einer Organisation zugänglich ist:

An intranet is a private network accessible only to an organization’s staff.

Der Zugriff auf das Intranet erfolgte traditionell über einen Rechner, der innerhalb der Räumlichkeiten des Unternehmens stand. Das ändert sich. Viele Außendienstmitarbeiter können bereits seit längerem mit ihrem Notebook von unterwegs mit Mobilfunk auf das Intranet ihres Unternehmens zugreifen. Inzwischen ermöglichen einige Unternehmen ihren Mitarbeitern den Zugriff auf das Intranet mit deren eigenen Geräten (Bring Your Own Device – BYOD). Und manchmal können sogar Externe wie Kunden, Vertriebspartner oder Lieferanten auf Teile des Intranets zugreifen (siehe Extranet).

Inzwischen wird in so gut wie allen Intranets dieselbe Technologie und Technik wie im Internet verwendet. Ein Intranet ist nichts anderes wie ein kleines Internet, auf das nur die eigenen Mitarbeiter Zugriff haben. Durch dieselbe Technologie und Technik muss nichts Grundlegendes doppelt entwickelt werden. Mitarbeiter können dasselbe Programm (wie den Browser) für das Intranet und für das Internet benutzen.

Das Internet

Das Internet wiederum ist ein globales System miteinander verbundener Computernetzwerke. Wikipedia sagt dazu:

The Internet is the global system of interconnected computer networks that use the Internet protocol suite (TCP/IP) to link billions of devices worldwide. It is a network of networks that consists of millions of private, public, academic, business, and government networks of local to global scope, linked by a broad array of electronic, wireless, and optical networking technologies.

Damit diese „bilions of devices worldwide“ sich verstehen, „unterhalten“ sie sich mit bestimmten Protokollen. Für bestimmte Zwecke greifen sie dabei auf die jeweiligen Protokolle zurück. In den Anfängen des Internets entwickelte sich zur Strukturierung dieser Protokolle das DoD-Schichtenmodell.1 Das DoD-Schichtenmodell isoliert verschiedene Schichten für die Steuerung und Kommunikation, sodass beispielsweise Geräte in der einen Schicht nichts von den Protokollen der anderen Schichten wissen müssen.

Schichten und Protokolle

Dies sind die vier Schichten des DoD-Modells (von „unten“ nach „oben“):

  • Netzzugriff: Hardware wie Kabel und die Technik, wie Bits über die Hardware geschoben werden (z.B. Ethernet). Außerdem stellt diese Ebene sicher, dass die Bits sicher übertragen werden (Verhinderung/Vermeidung von Datenverlusten, Verschlüsselung)
  • Internet: Adressvergabe für die Hardware. Festlegungen, wohin welche Pakete geschickt werden (z.B. Router).
  • Transport: Wie werden die Datenpakete in einzelne Segmente geteilt? Vermeidung von Fehlern beim Transport.
  • Anwendungen: In dieser Schicht gibt es Funktionen für die Anwendungsprogramme inklusive Dateneingabe und -ausgabe.

(Interessierte finden beim OSI-Modell weitere Erläuterungen.)

Und jetzt wird es spannend: Normale Benutzer („Anwender“) sehen nur die Ebene der Anwendungen. Typischerweise ruft ein Anwender auf seinem Gerät (Notebook, Tablet, Smartphone, Smartwatch etc.) eine Anwendung auf. Diese Anwendung „unterhält sich“ mit Anwendungen auf anderen Geräten (beispielsweise einem Server oder einem anderen PC) in einem bestimmten Protokoll. Nur wenn verschiedene Anwendungen dasselbe Protokoll verwenden, kann der Anwender („Benutzer“) überhaupt etwas sehen oder hören (auf dem Display, Lautsprecher etc.) und agieren oder reagieren.

Bei vielen Anwendungen sieht der Benutzer nicht, mit welchem Protokoll die Anwendungen sich unterhalten. Öffnet ein Benutzer mit dem Browser (Chrome, Firefox, Internet Explorer, Edge etc.) eine Seite im Intranet, dann kann er jedoch das Protokoll erkennen: In der Adresszeile des Browsers beginnt die Adresse einer Seite mit „http“ oder „https“. HTTP steht für Hypertext Transfer Protocol, HTTPS steht für die verschlüsselte Variante Hypertext Transfer Protocol Secure. Der Browser des Benutzers unterhält sich dann „in HTTP“ mit einem Server im Intranet, der ihm die Seite übermittelt. Der Browser zeigt dann die Seite an, und wenn der Benutzer eine Eingabe vornimmt, übermittelt der Browser die Eingabe an den Server, ohne dass der Browser etwas von Segmenten, Paketen, Routern oder Ethernet wissen muss.

Vereinfacht sehen Adressen wie „http://www.unser-intranet.de/kantine/wochenplan“ für die Browser-Anwendung so aus:

PROTOKOLL://SERVER.TOPLEVEL.DOMAIN/PFAD/SEITE

Weder der Benutzer noch der Browser müssen die physikalische Adresse des Servers kennen. Die unteren Schichten sorgen auch dafür, dass im Intranet der richtige Server aufgerufen wird, selbst wenn es draußen, im Internet, einen Server mit derselben Adresse geben sollte. Alles, was Benutzer und Anwendung wissen müssen, ist die Adresse im Intranet. Oft muss ein Benutzer weder das Protokoll und noch den Server kennen. Die unteren Schichten können so eingestellt werden, dass Anforderungen oder Sendungen von einer bestimmten Anwendung automatisch zur richtigen Adresse gesendet werden.

Alles, was ein Intranet braucht

Alles, was ein Intranet braucht, sind

  • Internet-Technologie mit entsprechenden Schichten und Protokollen,
  • passende Geräte mit passenden Anwendungen sowie
  • eine für das Unternehmen angepasste Konfiguration.

Mit diesen entsprechenden Bestandteilen („Infrastruktur“) kann das Intranet all das, was auch im Internet funktioniert!

Wenn ein Benutzer einem anderen Benutzer eine Nachricht als E-Mail schicken möchte und das Unternehmen die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellt, dann braucht der Benutzer nur die entsprechende Anwendung aufzurufen, die Nachricht einzugeben und die Adresse des anderen Benutzern einzugeben (oder aus dem Adressbuch zu übernehmen):

NAME@TOPLEVEL.DOMAIN

Das Protokoll (Simple Mail Transfer Protocol), den Server und andere Dinge muss der Benutzer nicht kennen.2

Das Intranet ermöglicht genauso wie das Internet

… die Nutzung von Internetdiensten wie WWW, E-Mail, Telnet, Usenet und FTP. Dabei kann sich jeder Rechner mit jedem anderen Rechner verbinden. Der Datenaustausch zwischen den über das Internet verbundenen Rechnern erfolgt über die technisch normierten Internetprotokolle.

Viele Unternehmen beispielsweise haben ihre ISDN-Anlage durch IP-Telefonie (auch Internet-Telefonie oder Voice over IP) ersetzt. Das Telefon auf dem Schreibtisch, das Headset, die Software auf dem Notebook und die App auf dem Smartphone benutzen entsprechende Protokolle wie SIP (oder proprietäre wie das von Skype), um Verbindungen aufzubauen und mit dem Benutzer telefonieren zu lassen. Die Konfiguration des Intranets weiß automatisch, ob die Verbindung innerhalb des Gebäudes oder verschlüsselt über das Internet in den Übersee-Standort aufgebaut wird. Oder ob der Verbindungspartner in einem anderen Unternehmen ist. Der Benutzer braucht nur das Programm (oder die App) und die Adresse des Gesprächspartners (beispielsweise „+49 1234 56789“ oder für SIP „NAME@TOPLEVEL.DOMAIN“). Die Adresse ist inzwischen sowieso fast immer im Adressbuch beim entsprechenden Kontakt gespeichert.

Das Intranet ist also nicht nur der Browser, sondern eigentlich auch die Telefonanlage, die Video-Konferenz, das Instant-Messaging-Programm, die App zum Chatten oder was auch immer für das Unternehmen sinnvoll ist.

Wenn Sie das nächste Mal eine Überschrift wie Raus aus der E-Mail, rein in das Intranet! lesen, dann sagen Sie dem Autor, dass die E-Mail ein Teil des Intranets ist und dass es um die Auswahl des richtigen Werkzeugs (also der richtigen Anwendung) geht.


  1. „DoD“ deswegen, weil das Internet ursprünglich eine Entwicklung des „Department of Defense (DoD)“ war. ?
  2. Übrigens: Wann haben Sie zum letzten Mal im Browser das Protokoll „http“ eingegeben? ?

Frank Hamm ist Berater für Kommunikation und Kollaboration und unterstützt Unternehmen bei ihrem Weg in der digitalen Transformation. Seit 2005 schreibt er im INJELEA-Blog über Social Business, Intranet, Enterprise 2.0 und Unternehmenskommunikation. Hamm ist bekennender Nexialist und begleitet seine Beobachtungen als Der Schreibende. Weitere Artikel von Frank Hamm finden Sie in unserem Intranet-Special.

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