//SEIBERT/MEDIA-EM-Tagebuch 2016 – Tag 14

Liebe Freunde des Hinter-die-Abwehr-Kommens,

euer EM-Tagebuch geht in die vierzehnte Ausgabe! Ich werde euch durch die 15. Fußball-Europameisterschaft in Frankreich begleiten. Von mir erfährt der geneigte Leser an jedem Spieltag jede Menge interessante Dinge, die er wissen muss, und noch mehr Irrelevantes, das er besser schnell wieder vergisst. Bleibt auf Empfang! In diesem Sinne:

Die meisten Spiele, die 1:0 ausgingen, wurden gewonnen. (Günter Netzer)

Das Spiel des Tages

Ja, da liegt ja ganz schön was hinter uns! Eines der spektakulärsten Elfmeterschießen der EM-Geschichte, der Italien-Fluch besiegt, Island wieder auf Normalmaß gestutzt, Geheimfavorit Belgien geht tatsächlich heim - wollen wir das alles etwa jetzt nochmal aufwärmen? Aber sicher! 😀

Doch erstmal zum heutigen Abend: Noch drei Spiele, dann ist die Europameisterschaft 2016 auch schon durch. Und Wales ist im Halbfinale dabei, das hat wahrlich keiner kommen sehen! Aber alle Achtung: Belgien verdient in einem tollen Spiel zu schlagen, ist aller Ehren wert. Die Portugiesen wissen dagegen wahrscheinlich immer noch nicht genau, wie sie ohne einen einzigen Sieg in der regulären Spielzeit und mit Fußball zum Gotterbarmen in diese Runde der letzten Vier gekommen sind.

Hoffen wir auf Besserung heute Abend. Immerhin ist das erste Halbfinale auch ein Duell der hochdotierten Vereinskameraden Gareth Bale und Cristiano Ronaldo, bekanntlich beide bei der spanischen grauen Maus Real Madrid angestellt.

Portugal - Wales
Mittwoch, 6. Juli, 21:00 Uhr, Lyon

Zitat zum Tage

Thema heute: Grönland, weil zur Partie Portugal - Wales auf die Schnelle keine passende Weisheit zu finden war... 😀

Unglaublich ehrgeizig, sie wollen so gerne. Sie haben aber große Probleme mit der Technik. Und dann gibt es noch ein anderes Problem: Während des Trainings oder des Spiels sehen sie plötzlich einen Wal - und dann lassen sie den Ball Ball sein, dann stürmen sie zu den Booten, und es geht raus aufs Meer. Es geht dann nur noch um den Wal.

Sepp Piontek, von 2000 bis 2002 Trainer der grönländischen Mannschaft

Elfmeterschießen für Eilige

Was macht man, wenn man mit einem Schnittprogramm umgehen kann und zu viel Zeit hat? Genau, man legt alle neun deutschen Schützen des Elfmeterschießens im Viertelfinale übereinander und guckt mal, was dabei herauskommt. 😀 Nämlich das hier:

Und wenn man dann immer noch Zeit übrig hat? Na, man macht dasselbe für die Italiener. Man achte auf den leicht verspätet eintreffenden Zaza! 😀

Beide Collagen stammen vom Videokünstler Kurt Prödel, der sie ursprünglich in seinem eigenen Twitter-Account gepostet hatte. Die Herren von der Uefa hielten es anschließend für eine gute Idee, den Nutzer wegen Rechteverletzung zu belangen und die Tweets löschen zu lassen. Der Account ist inzwischen geschlossen. Auch auf YouTube sind die Clips nicht mehr auffindbar. (siehe der Bericht auf chip.de)

Gut, dass den fingerspitzengefühligen Rechtewächtern wenigstens die Kopien oben durch die Lappen gegangen sind.

Erfindung des Tages

Wer hat's erfunden? Na klar: die Deutschen. Das Elfmeterschießen, dieses grausam-großartige Spektakel, das so manche Fußballnation seit Jahrzehnten verzweifeln lässt, geht auf Karl Wald (1916 - 2011) zurück, Amateurschiedsrichter und von Beruf Friseur im oberbayrischen Penzberg.

1970 dachte er aus eigenem Antrieb über Alternativen zu Wiederholungsspielen oder gar zu Münzwurf und Losentscheid nach. Seine Idee traf national wie international auf einige Widerstände, setzte sich dann aber durch. Bei der EM 1976 feierte das Elfmeterschießen Premiere - im Endspiel zwischen Deutschland und der CSSR.

Zahlensalat X

4: So viele Spieler, die beim Spiel zwischen Deutschland und Italien zum Elfmeterschießen antraten, sind bei Vereinen in England unter Vertrag - Mesut Özil (Arsenal), Bastian Schweinsteiger und Matteo Darmian (Manchester United), Graziano Pelle (Southampton).

0: So viele dieser England-Legionäre verwandelten ihre Elfmeter.

Fans des Tages I

Nachdem es hässlich anfing (unter anderem randalierten Hooligans in Marseille), hat sich die Stimmung bei der Europameisterschaft zum Glück schnell ins Positive gedreht. Was für wunderbare, feuchtfröhliche, verrückte und vor allem friedliche Eindrücke uns da erreicht haben: die Nordiren mit ihrem Will Grigg, die Iren, die überall in Paris Yaya und Kolo Toure wiederzuerkennen meinten, oder auch die Engländer, die doch noch gar nicht nach Hause wollten, sondern viel lieber das ganze Bier weg gebechert hätten.

Was wird wohl am Nachdrücklichsten hängen bleiben? Wahrscheinlich der Donnerruf der Isländer. Dies hier trug sich nach der isländischen Niederlage gegen Frankreich in Reykjavik zu, großes Kino!

Und so wurde schließlich die heldenhafte Mannschaft daheim empfangen:

Staatsoberhaupt des Tages

Ehrenloge? VIP-Status? Sekt und Häppchen? Pff. Das ist was für die Merkels, Hollandes und wie sie alle heißen.

Der frisch gewählte neue isländische Präsident Gudni Thorlacius Johannesson pfiff beim Viertelfinale gegen Frankreich auf Status und Privilegien und stand stilsicher mitten im Fanblock:

Auswertung zum Tage

Fans des Tages II

Noch mehr großartige Fans: Belgische Anhänger bilden am Bahnhof von Lille ein Spalier für die Waliser, gegen die sie gerade das Viertelfinale verloren hatten. Nicht, um sie vermöbeln, sondern um ihnen zu applaudieren. Wunderbar!


Die nächste Ausgabe des EM-Tagebuchs gibt es dann am morgigen Mittwoch. 😀