Berufliche Mobile-Apps für Gruppenchat, Intranet & Co.: Fluch oder Segen?

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Der Trend geht ja eigentlich in die entgegengesetzte Richtung: weg vom Always-on-Sein, weg von der ständigen Erreichbarkeit. Manche Unternehmen gehen so weit, nach Feierabend und am Wochenende den Abruf von Mails auf Smartphones zu unterbinden.

Und nun kommen immer mehr Anbieter von Unternehmens-Software mit mobilen Apps daher. Wird da neben der ständigen E-Mail-Erreichbarkeit nicht noch zusätzlicher Stress geschaffen? Mitarbeiter erhalten nun nicht mehr nur Mails, sondern sie werden auch noch mit Push-Nachrichten geradezu genötigt, sich jederzeit mit Job-Fragen zu beschäftigen.

Ich will mal ein paar eigene Erfahrungen und Überlegungen dazu teilen.

Abschalter und Freizeit-Arbeiter

Jeder Mensch ist anders – triviale Feststellung. Aber so ist es in jedem Unternehmen. Während einer zum Feierabend oder zum Wochenende mit der Arbeit abschließt und sie möglichst aus dem Kopf bekommen will, beschäftigt sich der andere auch nach Dienst ab und zu (oder auch häufiger) mit Job-Themen, arbeitet am Abend oder Sonntags noch ein paar Kleinigkeiten weg, erledigt Mails, aktualisiert Tickets oder was auch immer. Beides finde ich vollkommen okay – solange es allein mir überlassen bleibt, womit ich meine Freizeit verbringe und in welchem Maße ich mein Privatleben von der Arbeit beeinflussen lasse.

mobile-apps-pic-1Jetzt, während ich an diesem Artikel schreibe, ist es 21 Uhr. Kein Europapokalspiel in Sicht. Das typische mittwöchliche TV-Programm ist ansonsten nichts, womit ich freiwillig was zu tun haben möchte. Lust, jetzt eine neue Serie anzufangen, habe ich auch nicht. Dann kam mir vorhin diese Artikelidee. Tja, so sitze ich nun mit einem schönen Weißbier am Rechner und schreibe. Mal sehen, wie lange ich dazu Lust habe.

So ist es natürlich nicht jeden Abend, aber es kommt ab und zu mal vor und ist freiwillig und ausschließlich meine Angelegenheit. Will sagen: Jeder, wie er mag.

Habe ich damit den Bogen zu beruflichen Apps halbwegs hingekriegt? Jedenfalls habe ich einige Anwendungen auf dem Smartphone, die ich ausschließlich oder teilweise für die Arbeit nutze – und was auf meinem Handy ist, reicht natürlich auch irgendwo in mein Privatleben hinein.

HipChat ist drauf, auch Telegram ist nur für Job-Zwecke installiert. Über die Twitter-App verwalte ich meinen privaten Zugang sowie die Accounts von //SEIBERT/MEDIA und unserer Tools4AgileTeams-Konferenz. Demnächst wird die neue Linchpin-Intranet-App dazukommen, an der unser Entwicklungsteam zurzeit fieberhaft schraubt. (Gerade ist die App bei uns intern in eine geschlossene Beta-Phase gegangen.)

Nützlichkeit überwiegt Lästigkeit

Es gibt Situationen, in denen ich berufliche Apps nicht leiden kann, denn Push-Nachrichten kommen gerne zu den unmöglichsten Zeitpunkten, und dann auch gerne mal zuhauf: mitten in einem wichtigen Spiel, am Sonntag Nachmittag, im Urlaub, in Momenten, in denen ich eher keine Lust habe, mich mit Arbeitsinhalten zu beschäftigen. Dann können die Apps durchaus nerven.

Was sind die Alternativen? Ich könnte kurzen Prozess machen und den ganzen Kram runterschmeißen. (Es gibt etliche Kollegen, die sehr wohl Smartphones haben, aber den Teufel tun, die HipChat-App zu installieren.) Das will ich aber nicht, dafür sind sie für mich dann doch viel zu nützlich. Kurz: Ich hab’s nicht anders gewollt.

Ich will automatisiert mitbekommen, was sich in den beruflichen Twitter-Profilen tut. Ich finde es toll, im Zug oder beim Warten auf den Flieger in die für mich wichtigen Gruppenchat-Räume reinzuschauen oder im Eins-zu-eins-Chat mit einem Teamkollegen rasch was klären zu können. Und ich bin auch gerne via HipChat erreichbar, wenn ein Kollege mal außerhalb der Geschäftszeiten eine schnelle Frage hat.

Es hat Spaß gemacht, mich vom Sofa aus via Messenger mit Martin Seibert, Lars Vollmer und Niels Pfläging über unser damaliges Videoprojekt abzustimmen. Und ich werde es cool finden, wenn die Linchpin-App fürs Intranet da ist und ich am Samstag beim Anstehen an der Kasse mal eben die Timeline unseres internen Microblogs durchscrollen kann oder auch am Abend per Push-Mitteilung mitbekomme, dass mich jemand auf dieser oder jener Intranet-Seite erwähnt hat. Freiwilligkeit ist bei alldem das Rezept.

Prinzip der Freiwilligkeit

Kein Unternehmen kann allen Mitarbeitern vorschreiben, zum Beispiel eine Intranet-App zu installieren. Was die Leute mit ihren eigenen Smartphones machen, das hat der Arbeitgeber ja nun nicht zu bestimmen. Auf die privaten Geräte der Leute kann ein Unternehmen nur ein optionales Angebot ausrollen.

Natürlich kann der Konzern allen 10.000 Mitarbeitern Dienst-Handys mitsamt Datentarifen und vorinstallierter App beschaffen, um das mobile Intranet anzukurbeln – aber so stellen sich wahrscheinlich nicht viele Organisationen ihren Rollout vor. Und eine Erfolgsgarantie wäre das auch nicht: Im Zweifel schalten die auf diese Weise zwangsbeglückten Leute ihre Dienst-Smartphones einfach aus, sobald sie aus dem Büro und der Werkshalle raus sind.

Das alles muss freiwillig passieren – genau wie die Partizipation am Intranet selbst, die ebenfalls niemand vorschreiben kann. Aber die Mobile-Nutzung steigt seit Jahren, und viele Leute wollen tatsächlich gerne die mobile Verfügbarkeit von Intranet-Informationen haben.

Jede Erfolgsgeschichte beginnt mit den Early Adopters, die es in jedem Unternehmen gibt und die sich die neue Intranet-App sofort aufs Handy laden werden. Und denen kommt es auf den Mehrwert an, den das Tool ihnen bietet.

linchpin-appSpart es in irgendeiner Form Zeit? Spart es Mails? Ist es einfach zu bedienen und schnell? Bringt es mir wirklich einen Wert, wenn ich unterwegs bin? Die Intranet-App Linchpin Mobile wird das alles tun: Zugriff auf Unternehmens-News und Push-Nachrichten bei neuen Meldungen, Anmeldung per Klick für interne Events, Infos zum Mittagsangebot in der Kantine, schnelle Kommunikation per Microblog, komplettes Telefonbuch des Unternehmens mit Profilen – alles in der App, die sich trotzdem schön schlank anfühlt.

Deshalb glaube ich, dass sie den Nutzern etwas bringen und dass sie in Unternehmen über die Early Adopters hinaus skalieren wird. Und damit wird sie auch den Organisationen etwas bringen. Erstens haben sie mehr Wege, um ihre Mitarbeiter mit Infos zu erreichen. Und zweitens summieren sich viele kleine Zeitersparnisse schnell zu signifikant großen Blöcken auf und schaffen damit wirklichen Wert. (Meine Kollegen aus dem Linchpin-Team haben hier mal eine Kalkulation aufgestellt.)

Lange Rede, kurzer Sinn: Mir machen Job-Apps das Leben leichter, wenn sie mir effektiv und effizient helfen. Diese Meinung teilen nicht alle, aber sämtliche Leute kriegt man mit keiner Lösung der Welt an Bord. Für mich passt das. Ich bekomme die Infos, die ich haben will, wann und wo ich sie will, und dafür verkrafte ich auch mal eine gelegentliche lästige Störung. Ich freue mich jedenfalls aufs mobile Intranet! 🙂

Weiterführende Infos

Linchpin Mobile: Das Intranet jederzeit auf dem Smartphone
Linchpin Touch: Das Intranet wirklich im gesamten Unternehmen verfügbar machen
Differenzierung zwischen Confluence und Linchpin: Warum man Linchpin für ein Intranet braucht


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