AEC Linchpin: Die Technik hinter den Kulissen unseres Remote-Events

Am vergangenen Donnerstag, den 19. März 2020, wollten wir bei //SEIBERT/MEDIA eigentlich unseren Atlassian Enterprise Club Day (AEC) zu Linchpin als klassisches Event in unseren Räumen in Wiesbaden abhalten. Doch der Ausbruch der Corona-Pandemie hat uns (wie so vielen) einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kurzerhand haben wir uns dazu entschieden, die Veranstaltung nicht ausfallen zu lassen, sondern sie in ein reines Remote-Event zu konvertieren. (Wie wir diesen Remote-AEC innerhalb von nur sechs Tagen auf die Beine gestellt haben, ist in dieser ausführlichen Tagebuch-Zeitleiste nachzulesen.)

Der Einstiegspunkt für das Live-Event war der YouTube-Stream, in dem unsere beiden Moderatoren Adil und Martin durch den Veranstaltungstag geführt haben. Schon während, aber vor allem nach unserer Live-Show zum AEC haben Teilnehmer uns nach der Technik gefragt, die zum Einsatz gekommen ist. Deshalb will ich hier mal einen Einblick hinter die Kulissen geben.

Die Wahrheit ist, dass wir innerhalb kürzester Zeit etwas aus den Teilen zusammengestückelt haben, die wir bereits für unsere TechTalks und Google-Meetups nutzen. Daher ist das hier beschrieben Setup sicherlich nicht eins zu eins zur Übernahme verwendbar, aber vielleicht dennoch inspirierend.

Videomischer

Die zentrale Einheit unseres Live-Studios war ein Videomischer ATEM Mini der australischen Firma Black Magic Design. Das sehr kompakte Gerät ist für YouTuber und andere kleine Videoproduktionen gedacht – also genau für unseren Einsatzzweck.

Mit dem Videomischer können wir zwischen bis zu vier HDMI-Quellen umschalten, ohne dass auf der Ausgangsseite das Signal abreißt (wie das zum Beispiel bei den üblichen HDMI-Umschaltern der Fall ist). Die Quellen können auch unterschiedliche Bildschirmauflösungen haben – der ATEM Mini konvertiert alles in das konfigurierte Produktionsformat (bei uns 1080p60) und arbeitet daher problemlos mit allen Notebooks, PCs und Kameras zusammen.

Besonders praktisch für unseren Zweck war die Tatsache, dass dieser Videomischer auch die Audiosignale, die huckepack auf den HDMI-Quellen ankommen, mischen kann. Dabei lassen sich alle Quellen einzeln steuern.

In unserem Live-Studio hatten wir an zwei der vier Eingänge je ein Notebook zum Abspielen der zuvor aufgezeichneten Vorträge. So konnten wir auf dem einem Notebook den nächsten Clip vorbereiten, während das andere noch spielte. Auch die Live-Schalten in die Hangouts wurden über die Notebooks abgewickelt.

Diese beiden Rechner standen neben dem Videomischer in der improvisierten Regie und wurden von dort – aus dem Off – bedient, sodass die Moderatoren sich auf die Kommunikation und die Inhalte konzentrieren konnten.

Dennoch war einer der vier Inputs mit Adils Notebook verbunden, damit er als Moderator auch direkt Dinge zeigen konnte. Diese Option haben wir vor allem zu Beginn genutzt, um gemeinsam auf die Agenda zu schauen.

Kamera

Den vierten Input hatten wir mit einer Kamera belegt. Wir benutzen bei //SEIBERT/MEDIA bereits seit einigen Jahren zwei JVC GY-HM200E-Geräte. Diese einsteigerfreundlichen Broadcast-Kameras sind für kleinere Produktionen dieser Art optimal.

In vielen Unternehmen gibt es bereits digitale Spiegelreflexkameras und im Notfall kann man diese auch für Videoaufgaben verwenden, allerdings eignen sich gerade die günstigeren Modelle nicht für den Broadcast-Betrieb. Bevor Sie eine solche Kamera einplanen, sollten Sie insbesondere prüfen, ob sie auch dann funktioniert, wenn sie an ein Netzteil angeschlossen ist, wie viel Versatz das ausgegebene Videobild auf dem HDMI-Anschluss zur Realität hat und wie Sie ihre Mikrofone anschließen möchten.

Mikrofone

Als Mikrofone für eine Bühnen- oder Studiosituation eignen sich besonders Lavalier- und Ohrbügel-Mikrofone. Lavalier-Mikrofone lassen sich optimal an Hemden und Anzügen befestigen. (An T-Shirts oder Pullis bewegen sie sich oft zu sehr und erzeugen Rascheln und andere Störgeräusche.) Ohrbügel eignen sich für fast alle Kopfformen und lassen sich an jedes Gesicht anpassen. Auch funktionieren sie mit jeder Bekleidung. Problematisch können höchstens sehr lange Bärte und schwere oder lange Ohrringe sein.

Weniger gute Erfahrungen haben wir mit einseitigen Ohrbügeln gemacht, denn wir stellen immer wieder fest, dass es gar nicht so einfach ist, sie "richtig" anzulegen. Ebenfalls ungeeignet sind Handmikrofone jeder Art, da ungeübte Sprecher sie nicht über eine längere Zeit auf die exakt gleiche Art halten können. Außerdem haben die Sprecher ohne zusätzliche Mikrofonständer nicht beide Hände frei.

Da wir Mikrofone auch für klassische Vorträge einsetzen, haben wie die Ohrbügel-Mikrofone im Einsatz. Auch aus diesem Grund nutzen wir für die Übertragung Funkstrecken, sodass unsere Sprecher sich auf einer "Bühne" frei bewegen können. Für eine reine Studiosituation sind aber auch rein kabelgebundene Lösungen sinnvoll, zum Beispiel mit Speiseadaptern für Elektret-Mikrofone oder sogar Tischmikrofone. Es gibt hier hunderte unterschiedliche Lösungen, die oft auch mit persönlichem Geschmack zu tun haben, und wenige "richtige" Antworten.

Mischpult

Sofern mehr als eine Person sprechen soll, bietet sich der Einsatz eines separaten Mischpults an. Für unsere normalen Events benutzen wir ein QSC TouchMix 8, das schon zu den höherklassigen Geräten zählt. Für eine reine Studiosituation könnte eventuell auch schon der im ATEM Mini enthaltene Audiomischer genügen – diesen haben wir jedoch bislang kaum benutzt.

Im Setup des Remote-AEC haben wir die Mikrofone über die Funkstrecken ins Mischpult gebracht und einen der AUX-Wege in die Kamera geführt. So kam das Audiosignal zeitsynchron zur Kamera in den Videomischer und von dort in den Stream und die Aufzeichnung.

Stream und Aufzeichnung

Nachdem wir nun sichergestellt hatten, dass alle Video- und Audioquellen im Videomischer ankommen, blieb noch, dessen Ausgabe aufzuzeichnen und zu streamen. Der ATEM Mini bietet hierfür einen USB-C-Stecker an, über den er sich als Webcam auf einem kompatiblen PC meldet (zum Beispiel einem Macbook). Dort kann dann beispielsweise mit OBS Studio aufgezeichnet und zu YouTube gestreamt werden.

Zusammenfassung

A/V-Technik ist ein komplexes Themenfeld und für viele Unternehmen nach wie vor Neuland. Nicht zuletzt deshalb, weil man recht schnell mehrere tausend Euro für Geräte ausgeben kann, die dann eventuell im Schrank verstauben, scheuen viele Teams davor zurück, die Sache wirklich anzupacken.

Will man jedoch über die Qualität, die die internen Kameras und Mikrofone moderner Notebooks anbieten, hinausgelangen oder mit mehreren Menschen auf einer Bühne arbeiten, kommt man nicht umhin, sich in den Bereich der professionellen A/V-Technik zu begeben.

Gerne unterstützen wir Sie zu allen Fragen des verteilten Arbeitens und der Transition hin zu einem Remote-Unternehmen. Melden Sie sich einfach mal bei uns! Die Organisation unseres AEC-Events wäre ohne Tools wie die G Suite mit Hangouts Chat und Hangouts Meet sowie Confluence als Intranet und Extranet nicht denkbar gewesen – schon gar nicht in so kurzer Zeit.

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