Continuous Innovation: Auf der Suche nach Einhörnern

Der traditionelle Startup-Funnel ist kaputt

Dem Global Entrepreneur Monitor (GEM) 2019 zufolge werden weltweit mehr als 100 Millionen Startups pro Jahr gegründet. Das sind ungefähr drei Startups pro Sekunde.

Diese Entrepreneure kommen aus allen sozialen Schichten und den unterschiedlichsten Altersgruppen, Geschlechtszugehörigkeiten und Regionen. Der Stereotyp des Entrepreneurs entspricht nicht mehr den zwei Jungs in einer Garage in Silicon Valley.

Continuous Innovation Startups

Wir leben in einer globalen unternehmerischen Renaissance und das bietet unglaubliche Möglichkeiten.

Um diesen Nachfrageschub zu bewältigen, hat es in den letzten zehn Jahren auch eine entsprechende Explosion der Zahl an Acceleratoren, Inkubatoren und Universitätsprogrammen gegeben. Vor zehn Jahren gab es weniger als 50 Startup-Acceleratoren. Heute sind es über 5.000. Aber über all dem schwebt eine dunkle Wolke.

Obwohl wir mehr Startups als jemals zuvor ins Leben rufen, ist die Gesamterfolgsrate der Gründungen gesunken statt gestiegen.

Das liegt daran, dass das frühe Stadium eines Startups am einfachsten in die Gänge zu kriegen ist; gleichzeitig ist es auch das unsicherste und riskanteste.

Die Herausforderung für Acceleratoren besteht heute nicht mehr nur darin, Startups anzuziehen, die bereits fit für Investoren sind; sie müssen früher anfangen und Gründer zu erstklassigen Startups formen.

Die massive Explosion der Startup-Aktivität bricht den traditionellen Startup-Funnel auf und erfordert ein Umdenken hinsichtlich des klassischen Accelerator-Modells.

Was stimmt nicht mit dem zwölfwöchigen Accelerator-Modell?

Der typische Accelerator schickt eine Gruppe von zehn Teams durch eine drei- bis viermonatige Kohorte, die in einen großen Demotag mündet, an dem die Startups für Investoren pitchen.

Continuous Innovator Accelerator-Modell

Es ist zunehmend schwierig geworden, Teams in zwölf Wochen fit für Investoren zu bekommen, und zwar aus den folgenden Gründen:

Problem 1: Es gibt viel mehr Startups als zuvor

Da sich die Spitze des Startup-Funnels verbreitert hat, gibt es jede Menge Bewerbungen und Anfragen. Das Schwierige daran ist das Finden und Auswählen der richtigen Teams für die sehr begrenzten Plätze.

Ein typischer Accelerator initiiert seinen Bewerbungsprozess drei Monate vor dem Start einer neuen Gruppe und bearbeitet während dieser Zeit mehr als 600 Anträge.

Der Mangel an klaren, durch Metriken gestützten Heuristiken für die Bewertung von Bewerbungen führt dazu, dass eine Menge Zeit in die Prüfung der Anfragen gesteckt wird und dass Subjektivität in den Auswahlprozess einfließt. Da Follow-ups mit sämtlichen Teams nicht möglich sind, gehen viele gute Teams mit schlechten Bewerbungen im Prozess unter.

Die Chancen, das falsche Team zu wählen, sind hoch, und das hat direkte Auswirkungen auf die Gesamt-Performance der Kohorte.

Problem 2: Ausbildung statt Acceleration von Startups

Wenn die Kohorte unterwegs ist, beginnt die harte Arbeit, die Startups pitchfähig zu machen. Heutige Investoren interessieren sich nur für eine Sache: Traction. Das Problem ist, dass Entrepreneure sich um etwas anderes kümmern: ihre Produkte.

Solange ein Gründer nicht weiß, wie er das untersucht, ist es nicht untypisch, dass er sein Startup mit einem Minimum Viable Product und vielleicht ein paar zahlenden Kunden wiederfindet… Aber er weiß nicht, wo die nächsten zehn Kunden herkommen sollen, und er hat Probleme, seine Traction-Story effektiv zu kommunizieren.

Und so füllen wir diese Lücke mit Ausbildung. Wir stellen ein Curriculum über Geschäftsmodellierung, Lean Startup, Metriken und Pitching-Fähigkeiten auf. Dem fügen wir noch UX, Vertrieb, Marketing, Growth Hacking hinzu… und was immer wir noch so hineinzwängen können.

Es ist leicht, Startups zu überwältigen, wenn sie simultan versuchen, ihre Zeit zwischen Lernen, Pitching und dem Aufbau ihres Geschäfts auszupendeln.

Continuous Innovation Education vs Acceleration

Zwölf Wochen sind nicht genug Zeit für Ausbildung und Acceleration.

Problem 3: Entwicklung latenter Entrepreneure

Um die oben genannten Herausforderungen zu überwinden, versuchen viele Early-Stage-Acceleratoren einfach, nur die Ideen mit der meisten Traction zu akzeptieren. Das führt naturgemäß zu besseren Ergebnissen.

Wenn wir mit tollen Zutaten arbeiten, kann sogar ein durchschnittlicher Koch gute Resultate erzielen.

Das ist jedoch leichter gesagt als getan – außer wir sind ein Top-5-Accelerator. Die Potenzgesetze wirken immer. Außerdem: Wenn ein Startup erstmal hinreichend Traction hat, braucht es normalerweise gar keinen Accelerator, sondern kann direkt zu Investoren gehen.

Die Kunst besteht darin, Startups zeitig genug in ihrem Lebenszyklus einzufangen. Die ideale Zeit ist die Prä-Traction-Phase, bevor sie sich überhaupt beim ersten Accelerator bewerben.

Genau das macht Y-Combinator mit Startup School and Hacker News – und sie etablieren sich als begehrenswerteste Alternative und machen ihre Konkurrenten irrelevant.

Continuous Innovation Ideation

Weil zwölf Wochen zu wenig Zeit ist, um Startups von der Idee bis zum Investment zu bewegen, haben Acceleratoren vorgeschaltete Prä-Acceleratoren oder Inkubator-Programme eingeführt.

Doch diese haben ihre eigenen Herausforderungen...

Traditionelle Prä-Acceleratoren und Inkubatoren sind beide nicht die richtige Antwort

Ein klassischer Prä-Accelerator liefert ein schulungsbasiertes Curriculum über eine längere Periode von sechs bis neun Monaten mit dem Ziel, Early-Stage-Startups (meist gibt es nur eine Idee) in investitionsfähige Unternehmen zu verwandeln, die bereit für richtige Acceleratoren sind.

Continuous Innovation Pre-Acceleratoren

Das klingt zwar prinzipiell gut, aber die Herausforderungen, die solche Programme haben, sind Kosten, Effektivität und Skalierbarkeit.

Einfach ausgedrückt: Traditionelle Prä-Accelatoren/Inkubatoren brechen das Geschäftsmodell.

Problem 1: Operative Kosten gehen hoch

Das sollte offensichtlich sein. Wenn wir das Fenster für Investitionen verzögern, gehen die Kosten für die Durchführung von externen Prä-Accelatoren steil in die Höhe.

Continuous Innovation Incubation

Problem 2: Sich um die noch chaotischere Ideation-Phase kümmern

Um die Kosten in Maßen zu halten, bieten viele dieser Programme ein One size fits all-Curriculum mit grundlegenden Schulungsinhalten an, das von Mentoren auf Voluntärbasis betreut wird.

Aber die Ideation-Phase ist chaotisch.

Die Ideation entspricht der Honeymoon-Periode eines Startups, in der alles möglich ist. Es ist aber auch das Stadium mit der größten Unsicherheit – wir wissen nicht, was wir nicht wissen.

In dieser Periode richtet die Beratung im Schnellverfahren durch freiwillige Mentoren bei den Startups meist mehr Schaden an statt Gutes zu stiften. Es entsteht das Advisor Whiplash-Problem. Fragt man zehn Entrepreneure um Rat, erhält man zehn verschiedene Rezepte. Welchem soll das Startup folgen?

Continuous Innovation Adviser Whiplash

Hohe Unsicherheit + In Konflikt liegende / präskriptive Beratung = Ein Rezept, um mit dem Startup im Kreis herumzufahren

Problem 3: Schwierige Skalierung

Um das Advisor Whiplash-Problem zu überwinden, müssen wir in Coaches investieren, die ein personalisiertes Curriculum liefern können – und nicht in Berater und nicht in eine One size fits all-Lösung.

Berater fokussieren sich darauf, die richtigen präskriptiven Lösungen zu bieten. Coaches fokussieren sich stattdessen darauf, die richtigen Fragen zu stellen. Sie können helfen, aus Gründern Entrepreneure zu formen, statt zu versuchen, eine Idee mit Gewalt zum Erfolg zu bringen.

Das wahre Produkt eines Prä-Accelerators besteht nicht darin, eine Ideen voranzubringen, sondern den Gründer.

Das ist ohne ein konsistentes Coachingsystem allerdings schwer zu skalieren.

Continuous Innovation Bottleneck

Wie wahrscheinlich schon klar ist, ist hier ein Funnel im Spiel. Um zehn Accelerator-bereite Teams zu erschaffen, müssen wir mit einem großartigen Pool von Ideation-Teams starten.

Damit dieses Modell funktioniert, müssen wir einen neuen Startup-Funnel konzipieren, der die folgenden drei Kernherausforderungen adressiert:

  • In einer lärmigen Welt die besten Startups im Vor-Traction-Stadium finden
  • Die Investment-Reife der Prä-Traction messen
  • Coaches/Mentoren skalieren statt Berater

Das alles soll in drei bis sechs Monaten geschehen statt in den traditionellen neun bis zwölf Monaten.

Ist das möglich?

Die Antwort lautet Ja. Bei LEANSTACK haben wir uns jahrelang die Zähne an den chaotischen frühen Stadien ausgebissen und mit Entrepreneuren und Acceleratoren zusammengearbeitet, während wir nach einer wiederholbaren und skalierbaren Lösung für den neuen Startup-Funnel gesucht haben.

Die Antwort, die wir gefunden haben, ist das Erreichen der richtigen Balance zwischen Just in time-Gründerausbildung, einem High leverage-Coachingsystem und konsistenten Metriken im Fortschritts-Reporting.

Leanstack Accelerator Funnel

Wenn Sie einen Accelerator (oder ein Universitätsprogramm) betreiben und mehr erfahren wollen, sollten Sie sich mal unsere neueste Plattform LEANSTACK für Acceleratoren ansehen.

Dieser Artikel wurde im Original am 10. Januar 2020 unter dem Titel In Search of Unicorns von Ash Maurya veröffentlicht. Ash Maurya gehört zu den führenden Köpfen der internationalen Gründerszene und ist einer der renommiertesten Experten für Lean Startup und Customer Development. Die Website seines Unternehmens LEANSTACK und seinen Blog erreichen Sie unter http://leanstack.com. Mehr Fachartikel bietet unser Lean-Special.

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